
Alles voller Schläuche
Als ich die Augen langsam öffne, weiß ich zuerst gar nicht, wo ich bin. Alles ist verschwommen. Das Licht über mir ist viel zu hell, sodass ich die Augen gleich wieder schließen möchte. Mein Kopf fühlt sich schwer an, als hätte ich sehr lange geschlafen. Ich versuche, mich zu erinnern, aber meine Gedanken sind durcheinander.
Nach und nach nehme ich Geräusche wahr. Ein gleichmäßiges Piepen erfüllt den Raum. Es kommt von den Geräten neben meinem Bett. Vorsichtig drehe ich den Kopf zur Seite. Überall sehe ich Maschinen mit blinkenden Lichtern. Dann bemerke ich die Schläuche.
Sie sind an meinen Armen befestigt, an meiner Hand und sogar an meiner Nase. Einige führen zu den Geräten, andere verschwinden unter der Decke. In diesem Moment verstehe ich nicht, dass sie mir helfen. Für mich fühlen sie sich fremd und beängstigend an, fast so, als wäre ich gefangen.
Plötzlich steigt Panik in mir auf.
Mein Herz schlägt schneller, und das Piepen der Geräte wird hektischer. Ich bekomme schlecht Luft, obwohl ich eigentlich genug bekomme. In meinem Kopf dreht sich alles. Ich denke nur noch: Ich muss hier raus. Ich will das nicht.
Ohne richtig nachzudenken, greife ich nach einem der Schläuche. Meine Hände zittern, aber ich ziehe daran. Ein stechender Schmerz fährt durch meinen Arm, doch ich höre nicht auf. Ich reiße noch an einem weiteren Schlauch. Die Geräte beginnen laut zu piepen, viel lauter als vorher. Es klingt wie ein Alarm.
In diesem Moment öffnet sich plötzlich die Tür.
Eine Krankenschwester stürmt herein. Sie hat das Geräusch gehört. Schnell kommt sie zu meinem Bett gelaufen. In ihrem Gesicht sehe ich zuerst Erschrecken, dann sofort Konzentration.
„Stopp, bitte! Nicht ziehen!“, sagt sie mit fester, aber ruhiger Stimme.
Ich verstehe ihre Worte kaum. Alles ist noch wie ein Traum. Ich will nur die Schläuche loswerden. Doch die Schwester reagiert schnell. Vorsichtig, aber bestimmt hält sie meine Hände fest, damit ich nicht weiter daran reißen kann.
„Es ist alles in Ordnung“, sagt sie ruhig und beugt sich zu mir herunter. „Sie sind im Krankenhaus. Die Schläuche helfen Ihnen.“
Ihre Stimme klingt beruhigend. Sie spricht langsam, damit ich sie verstehen kann. Während sie mit mir redet, drückt sie einen Knopf an einem der Geräte. Kurz darauf kommen noch weitere Pflegekräfte in den Raum.
Gemeinsam sorgen sie dafür, dass die Schläuche wieder richtig sitzen. Einer überprüft die Geräte, ein anderer achtet auf meinen Puls. Die Schwester bleibt die ganze Zeit bei mir und schaut mir in die Augen.
Langsam merke ich, dass meine Panik nachlässt. Mein Herz schlägt wieder ruhiger. Das laute Piepen wird leiser, bis es wieder gleichmäßig klingt wie am Anfang.
Ich atme tief ein und aus. Jetzt fühle ich mich immer noch schwach, aber nicht mehr so verloren. Die Schwester lächelt mich leicht an.
„Alles gut“, sagt sie leise. „Sie sind sicher.“
Erst jetzt beginne ich zu verstehen: Ich bin im Krankenhaus. Die Geräte sind da, um mir zu helfen. Und ich bin nicht allein.
